Elternzeit mit Wohnmobil – ein Reisebericht

Vorbetrachtung

Bereits Anfang 2020 hatten wir uns vorgenommen unsere gemeinsame Elternzeit mit einer längeren Reise zu koppeln. Parallel haben wir das Thema Wohnmobil entdeckt und schließlich mit AllRoad Reisemobilen in Chemnitz einen Klasse-Partner kennen gelernt. Die Gefährte sind bis 3,5 Tonnen (B-Führerschein-tauglich) und geländegängig ausgelegt.

Bevor wir allerdings auf 3-wöchige Tour starten, wollten wir in einem 7-Tage-Trip testen, ob das Thema Wohnmobil auch was für uns ist.

Das Thema Corona kam dann Mitte März intensiv auf und hat uns immens beschäftigt – mit der vorliegenden Lösung haben wir uns aber krisenfest gefühlt.

Probereise nach Bayern

Mitte Juni haben wir uns nach Bayern aufgemacht, um das Wohnmobil auszuprobieren: – einen Mercedes Sprinter Baujahr 2018 durch Hymer Car zum Grand Canyon S ausgebaut mit geländegängiger Bereifung und Schnorchel.

Die Tour führt uns durch Vohenstrauß, Bodenmais, Lohberg, Kulmbach und an den Auensee bei Köditz. Dabei haben wir verschiedene Stellplatzkonzepte kennen gelernt und auch mal wild gecampt. Das Feuer war entfacht und ein Anruf beim Vermieter ließ den geplanten August-Urlaub schnell von 17 auf 21 Tage verlängern.

Planung

Da Corona auch unsere Planung mitbestimmt hat, wollten wir von vornherein flexibel bleiben und möglichen Risikogebieten aus dem Weg gehen. Dazu kommt, dass wir mit 2 kleinen Kindern (11 Monate & 5 Jahre) an die Schlafenszeiten und Fahrtbekömmlichkeiten gebunden sind, also nicht länger als 2 Stunden am Stück fahren wollten. Einige Wunschziele gab es dazu auch noch: Biathlon-Wettkampforte, die Heideblüte in der Lüneburger Heide sowie viel Gebirge und Gewässer. Außerdem wollten wir gern an einem Wochenende meine Cousine mit Familie in Euskirchen besuchen. So entstand ein durchgetakteter Plan mit 16 Stationen in 21 Tagen und einigen Puffertagen. Mit Hilfe der Apps Stellplatzradar und Park4Night habe ich an den einzelnen Orten Übernachtungsplätze recherchiert und alle Punkte in einer Google-Maps-Liste gesammelt. Geplant war immer 2 Tage vorab klar zu sein, was die Route und das Vorhaben für übermorgen ist – und den morgigen Plan abrufbereit zu haben. Projektmanager haben offenbar niemals richtig frei.

Der Auftakt – Packen, Drei Gleichen, Oberhof, Wasserkuppe

Nachdem wir bei unserer Bayern-Tour sehr mit Reisetaschen geplant hatten, konnten wir nun viel konkreter packen und die Fächer im Wohnmobil besser nutzen. So ging das Packen Hand in Hand und schnell voran. Die Testfahrt hat sich gelohnt. Um 10 konnten wir unser Wohnmobil entgegen nehmen und bereits gegen 14 Uhr waren wir startbereit.

Gleich zu Beginn haben wir eine der längsten Touren gefahren, konnten aber in Mühlberg an der Mühlburg unser erstes Eis genießen. Da es an dem Tag bereits ordentlich warm war, brachte ein kühles Fußbad in der „Spring“ die notwendige Abkühlung. Anschließend haben wir uns an die Veste Wachsenburg aufgemacht und konnten an deren Fuß einen ruhigen Parkplatz mit anderen Campern teilen und den Abend mit wilden Pflaumen versüßen. Auch ein kurzer Abstecher auf die Wachsenburg zum Abend wurde versüßt: in der Abendsonne flogen drei Drachenflieger winkend über die Veste – dazu noch der tolle Sonnenuntergang über den Drei Gleichen – ein perfekter Auftakt.

Von den 3 Anhöhen in Thüringen ging es weiter in den Thüringer Wald zu alter Biathlon-Wettkampfstätte nach Oberhof. Am Grenzadler konnten wir einen Blick auf die Bauarbeiten am Skistadion nehmen und den tollen Wanderstiefel-Spielplatz testen. Da dies aber nur als Zwischenstation geplant war, machten wir uns weiter auf den Weg auf den höchsten Gipfel der Rhön: die Wasserkuppe. Dort angekommen konnten wir zunächst das hohe Flugaufkommen der Segelflieger am ortseigenen Flugplatz bestaunen, bevor wir uns ein sehr leckeres Eis gegönnt haben und den Freizeitpark an der Wasserkuppe besucht haben – besonders das Elfennetz und der „Hexenbesen“ haben es unseren Kindern dabei angetan. An dem Abend mussten wir allerdings auch schon feststellen, dass das Pensum für uns doch recht hoch ist und wir – vor allem bei den anstehenden heißeren Tagen im Flachland etwas umplanen und entschärfen müssen.

Main, Rhein, Mosel – 3 Flüsse in wenigen Tagen

Von der Wasserkuppe ging es weiter an den Main in Aschaffenburg. Dort nahmen wir den Milchreis bei 36 Grad im Schatten kurzerhand kalt auf einem Spielplatz ein. Der Besuch der imposanten Johannisburg und der Innenstadt wurde mit einem langen Nachmittag im Schöntal mit Magnolienhain (Schildkröten, Wasserspielplatz, blühende Gärten) beendet. Unser Nacht haben wir dann direkt am Main mit Blick auf die Johannisburg verbracht – zuvor hat uns ein Fischer auch noch seinen Fang erklärt und die Füße ins Wasser halten, konnten wir auch. Von dort aus ging es an die wohl heißeste Station unserer Reise: Bingen am Rhein. Mit 36 Grad war es dort so heiß, dass wir den Großteil der Zeit auf einer Decke im Park verbracht haben – mit Blick auf den eindrucksvollen Mäuseturm. Nachdem uns dann die S-Bahn noch stehen gelassen hat, war das nächste Urlaubserlebnis eingetütet. Nach 2 Nächten Aufenthalt in und bei Bingen ging es am Rhein entlang in Richtung Koblenz. Die malerische Route wurde von sagenhaften 14 (!) Burgen gesäumt – am Fuße einer Burg in Spay haben wir dann auch unser Picknick-Mittag zu uns genommen, bevor wir im Vorbeifahren den Loreley-Felsen und das Deutsche Eck mitgenommen haben. Im Koblenzer Ortsteil Güls haben wir dann einen Stellplatz am Moselbogen erwischt, der sich an eine schöne Badestelle anschloss. Nachdem wir das abends und morgens genutzt haben, ging es moselaufwärts bis zur malerischen Moselzunge rund um Zell, die Marienburg und den Prinzenkopfturm. Am Stellplatz in Pünderich hatte die Hitze dann vorerst ein Einsehen und ein erlösendes Gewitter ging nachts nieder. Für einen alten Apfelbaum kam das an der Stelle zu spät: an der Entsorgung konnten wir live teilhaben. Stilgemäß habe ich an Ort und Stelle auch mein Smartphone plattgesessen, was die konkrete weitere Planung etwas abenteuerlich werden ließ – aber alles hat wie gewünscht funktioniert.

Ein nächstes Highlight war der darauffolgende Tag durch die Touristenhochburgen Cochem (Durchfahrt bereits am Vortag), Traben-Trarbach (Sightseeing mit Wohnmobil) und Bernkastel-Kues. In Bernkastel selbst habe ich mir dann ein Ei gelegt und die verschwitzte Familie im Touri-Outfit ins beste Haus am Platz geführt. Nach Morchel-Nudeln und Tintenfischtinte-geschwärztem Risotto schlenderten wir noch durch die Altstadt, bevor wir auf der Kueser Seite den obligatorischen Spielplatzbesuch abhielten. Dieser wurde uns allerdings wetterbedingt zum Verhängnis: Ein Gewitter ließ uns unter der Rutsche Schutz suchen. Nachdem sich dieses Gewitter allerdings zu einem saftigen Wolkenbruch entlud und das Wasser den Spielplatz fünf Zentimeter unter Wasser setzte, retteten wir uns dann doch lieber ins Wohnmobil und steuerten vor dem anstehenden Hagelschauer unter eine Brücke. Zwischen den geflüchteten Touristen waren wir mit unserem Offroad-Mobil natürlich wieder einmal Blickfang – diesmal wurden wir allerdings belächelt. Den Moselabschluss haben wir dann in Trier gefeiert. Der Besuch der Porta Nigra und der altrömischen Hinterlassenschaften musst natürlich sein – das mittägliche Picknick fand dabei ganz stilecht auf dem Brunnen am Hauptmarkt statt.

Eifel to go und die Flucht vorm Traktor

Von Trier aus war der Sprung in die Eifel nicht weit. An den Dauner Maaren (Gemündener Maar) fanden wir einen ruhigen Parkplatz mitten im Wald, den wir für eine Nacht bevölkern konnten – bei dem riesigen coronabeeinflussten Wohnmobilaufkommen in dieser Saison waren wir aber auch dort nicht allein. Eine Runde um das Maar und eine sehr ruhige Nacht später machten wir uns auf an die Kasselburg, wo wir für unsere Kinder ein Highlight mit der Greifvogelschau und dem Wolfsgehege eingeplant hatten. Die Nacht konnten wir an einem nahegelegenen Spielplatz in Pelm verbringen, bei dem wir eine nette Bekanntschaft mit einem Belgischen Familienvater hatten. Am nächsten Morgen bedankte sich dieser mit einer Erfrischung bei uns für die „Inspiration“ seinen Lebensabend nicht wie geplant im Sommerhaus in der Eifel zu verbringen, sondern das doch mal mit einem Wohnmobil zu probieren. Geschichten, die das Leben schreibt.

Von Pelm aus ging es geradewegs nach Euskirchen, wo wir das Wochenende mit meiner lieben Cousine und ihrer Familie verbrachten. Die erste Nacht wollten wir am Zülpicher See verbringen und hatten auch schon Abendbrot gegessen und uns bettfertig gemacht: Wieder aufgeschreckt wurden wir aber von einem Tross Traktoren, die direkt nebenan eine Traktorendisko feiern wollten. Kurzerhand planten wir um und verkrochen uns auf einen Wandererparkplatz in die Region „Billiger Wald“ – sehr ruhig. Da wir den nächsten Morgen auf einer Bank an „Maria Rast“ verbringen konnten, waren wir uns schnell einig: Wieder alles richtig gemacht. Nichtsdestotrotz haben wir es in der darauffolgenden Nacht erneut am Zülpicher See probiert – diesmal mit Erfolg und dem fast schon pflichtgemäßen abkühlenden Gewitter in diesen Tagen.

Erst Gebirge, dann Flüsse, jetzt die Seen

Von Euskirchen starteten wir weiter in Richtung Nordosten, um die Heideblüte noch zu erwischen. Erste Zwischenstation war das Gut Kalberschnacke an der Listertalsperre. Auf dem dortigen Campingplatz haben wir uns sehr beobachtet gefühlt und schnell den Entschluss gefasst: Im weiteren Verlauf haben wir es mit diesem Fahrzeug nicht nötig 30€ für eine Nacht auf einem Campingplatz auszugeben. Nicht falsch verstehen: die Terrassen an der Listertalsperre sind malerisch und auch der See ist wunderschön, aber mit einem vollautarken Wohnmobil mit Hochgebirgsausstattung ist man zwischen Dauercampern und Adiletten-Klappradbesitzern einfach fehl am Platz. Also frisch aufgetankt und weiter zum nächsten Wildcamp-Aufenthalt am Möhnesee. Auch dort fanden wir einen schönen Wandererparkplatz auf dem wir nach dem Besuch der Seeterrassen von Körbecke gut Ruhe fanden. Leider war das auch der gesundheitliche Tiefpunkt unserer Kleinsten, die sich zu der Zeit offenbar mit dem Höhepunkt des Drei-Tage-Fiebers herumplagte – auch das ein Grund die Camping- und Stellplätze zu meiden und die Nerven der Nachbarn zu schonen. Die Nerven der Wohnmobilbesatzung lagen derweil blank, denn die Optionen zur Unterhaltung eines fiebernden Säuglings mit Bauchschmerzen in einem Wohnmobil bei fremder Umgebung kann abenteuerlich sein. Aber: alle haben sich sehr gut durchgekämpft.

Dritter See im Bunde und erneut ein urzeitliches Überbleibsel war unser nächstes Ziel: das Steinhuder Meer. In Steinhude selbst haben wir uns das Tourismuszentrum gegeben und erneut festgestellt: Wir sind besser in der Wildnis aufgehoben und meiden insbesondere in Corona-Zeiten lieber Menschenanhäufungen und potentielle Virenherde. So sind wir lieber noch etwas am See entlang spaziert, anstatt uns ein Boot zu mieten oder anderweitig Viren ausgesetzt zu werden. Die Nacht haben wir dann im benachbarten Hagenburg auf einem Parkplatz am Findlingsgarten verbracht. Dort spielte uns der Nachbar noch bis spätabends auf seiner Ukulele ein Nachtlied – leider war es immer das Gleiche und sein Status eher Anfänger als Santana.

Endlich auch Mama glücklich

Die weitere Fahrt in Richtung Lüneburger Heide brachte uns dann auch den ersten Stau – in einem nächsten Leben gebe ich Nachhilfe im Reißverschlussverfahren an Autobahnbaustellen. Angekommen am Barfußpark in Egestorf mieden wir diesen aus Corona- und den angehängten Stellplatz aus Ästhetik-Gründen, tankten auf und machten uns stattdessen in das Zentrum der Lüneburger Heide nach Undeloh auf. Dort konnten wir neben der großen Tochter (Pferdekutschen) auch endlich die Mama glücklichst machen: die weiten Felder blühenden Heidekrauts waren aber auch wirklich malerisch. Leider haben wir am Heidschnuckenwanderweg nicht eine Heidschnucke (heimische Schafrasse) entdecken können, dafür war sie aber in Bratwurstform recht ansprechend. An diesem Ort haben wir ebenfalls einen Parkplatz gefunden, den wir mit vielen Wildcampern teilen konnten und für zwei Nächte genutzt haben – wichtige Zeit, um mal wieder auspendeln und durchatmen zu können. Leider mussten wir unser Frühstück zweimal kurzfristig wieder nach drinnen verlegen – das morgendliche Gewitter war unerbittlich. Insgesamt haben wir zu diesem Zeitpunkt schon festhalten können, dass uns der Freiluftanteil an diesem Urlaub sehr viel bedeutet hat.

Kein Saurierpark, Harz und Abbaden

Taktisch hatte ich den Fehler begangen und unserer Großen einen Saurierparkbesuch in Uetze am nächsten Tag versprochen. Leider war dieser Park pandemiebedingt über heruntergeregelter Kapazität und damit ausgebucht. Und das, obwohl wir am Steinhuder Meer schon einen Saurierpark wegargumentiert haben. „Wir fahren mal nach Kleinwelka“ hat die Situation glücklicherweise entschärft und statt dem Irenensee haben wir uns kurzerhand kaiserlich in Goslar amüsiert.

Die dortige Übernachtung unweit der Rammelsburg und das Bad und Frühstück im und am Herzberger Teich waren dann auch nochmal der erhoffte Balsam für die Seele, bevor wir uns am Hexentanzplatz in Thale wieder ins Getümmel gestürzt haben. Glücklicherweise konnten wir der Meute im Tierpark entkommen und am späteren Abend und nächsten Morgen die Sehenswürdigkeiten (u.a. Hexenring) in Ruhe erforschen.

Den Abschluss unserer Reise haben wir dann im neu geschaffenen Leipziger Seenland – konkret auf der Magdeborner Halbinsel am Störmthaler See begangen. Ein etwas windiger Abschluss bei besten Badebedingungen und malerischen Sonnenuntergang hat uns das Herz bluten lassen und glücklich auf 3 wundervolle Wochen zu viert auf engstem Raum von 14 Quadratmetern zurückblicken lassen: 2.260 Fahrtkilometer, 41,5 Stunden Fahrzeit, 30 Burgen, 5 Gebirge, 4 Flüsse, 5 Seen, 6 Toilettenfüllungen, 26 Spielplätze, 11x Eis, über 6.000 Fotos und Videos sowie unzählige wertvollen Momenten mit der Erkenntnis: „warum in die Ferne schweifen, wenn das Gute liegt so nah.“