Twitter 2.0 oder „Die Jagd nach Listen und Favorites“

Twitter ist für viele Unternehmen, Selbständige und Redaktionen ein unverzichtbares Medium geworden. In 140 Zeichen den Kontakt zu seinen Kunden und Partnern zu suchen, gestaltet sich auf Sozialen Plattformen wie Facebook und Twitter deutlich einfacher als per Mail oder Telefon.

Du, Sascha Lobo*
Schon die Ansprache im Social Web fällt deutlich leichter: Bei kurzen Anfragen an Promis, Marken und potentielle Kooperationspartner (bzw. deren Social-Web-Beauftragten) beschränkt man sich meist auf die Anfrage oder das Problem, anstatt zunächst höfliche Floskeln und Visitenkarten auszutauschen.

Im Echtzeit-Web kommt es auf Sekunden an: Stelle ich eine Anfrage über Twitter erwarte ich eine sekundenschnelle, kompetente Antwort. Bei Kontakten über Telefon oder Mail nimmt man automatisch Verzögerungen in Kauf. Ein weiterer Vorteil: Persönlichkeiten sind zweitrangig – ob ich Neu-Twitterer oder Twit-Chef meiner Stadt bin – jede persönliche Anfrage (via Mention) wird (normalerweise) gleich behandelt.

Erstaunlich welche Möglichkeiten es inzwischen gibt. Ich kann per Tweet bei meinem Radiosender die Musik mitbestimmen, meinem Händler auf Verbesserungen hinweisen, neue Mitarbeiter finden, leere Händlerregale melden, mitteilen wo ich mich gerade befinde (z.B. via Foursquare), schnell Meinungen fordern oder ein nichttwitterndes Unternehmen in den Ruin treiben – kurz: ich bin mittendrin und sekundenschnell versorgt.

Follower-Jagd wird zum Listen-Junkismus
Was gestandene Twitterer gelernt haben: Die pure Followerjagd ist vorbei. Oder sagen wir: Follower sind noch lange nicht alles. Ein blinder Follow um einen Backfollow zu erwarten, reicht nicht aus, um akzeptiert zu werden. Ich selbst schätze, dass weniger als 20% meiner Follower meine Tweets tatsächlich lesen. Bei einer Quote von mehr als 10 Tweets pro Stunde sinkt die Zahl der aufmerksamen Follower verständlicherweise enorm. Twitter-Overkill. Umso wichtiger ist es, zufriedene Follower ordnungsgemäß zu pflegen – indem man sie mit den Links füttert, die sie haben wollen. Ein erfolgreicher Indikator dafür sind Listen, d.h. Listen-Titel geben die Erwartungshaltung der Listenfolger wider. Übrigens: Je mehr Listen, desto besser. Listen-Titel wie „SPAM“ oder „nervt“ sollten ernsthafte Überlegungen nach sich ziehen. Unbedingt auch bedenken: Jeder Liste im Gesamten kann gefolgt werden. Jeder Follower einer Liste ist grob gesagt auch ihr Follower.

Ich habe dich gefavt!
Klar, jeder schreibt Müll – die Kunst ist, es zu filtern. Als Dresden-interessierter Follower interessiert mich bestimmt nicht, wenn mein Lieblings-Twitterer ständig über Freundin, Essen und Wehklagen twittert. Im Zweifelsfall zieht das einen unfollow nach sich – auf deutsch: Das Vertrauen ist dahin.

Für sich die relevanten Infos aus Twitter zu filtern, ist eine Kunst, die jeder für sich selbst (täglich) finden muss. Hashtags und Listen helfen dabei – aber auch favorisierte Tweets, sogenannte „Favs“, können dabei helfen. Ich habe meinen Followern bereits angekündigt, dass ich gute Tweets nicht mehr retweete und damit die Timeline verschmutze, sondern favorisiere und damit sammele.

Twitter ist kein Chat
…oder #Zeigefinger. Jeder Dialog, der sich über mehr als fünf Tweets hinzieht wird als Chat betrachtet und nervt alle anderen Twitterer im Regelfall. Ganz einfach lässt sich der Nervfaktor umgehen: Directs – direkte Nachrichten von einem Nutzer zum anderen, versteckt für alle anderen und damit beschränkt nervend.

Und wer bis hierhin nur Bahnhof verstanden hat, dem sei erklärt:
Twitter ist ein Microblogging-Dienst, der es den angemeldeten Nutzern erlaubt, Nachrichten (kurz Tweets) innerhalb von 140 ZML (Zeichen mit Leerzeichen) zu verbreiten. Diese Nachrichten können von jedem Internetnutzer unter der Adresse www.twitter.com/Nutzername eingesehen werden, soweit der Twitterer seine Tweets nicht vor den Blicken unautorisierter Nutzer schützt.
Follower sind angemeldete Twitterer, welche die Tweets eines Twitterers abonniert haben – ihm also bei seinen Ausführungen folgen.
Following bezieht sich dabei auf Twitterer, denen man selbst folgt, deren Tweets also regelmäßig nach Veröffentlichung auf der Timeline (Abo-Zeitleiste) erscheinen.
Andere Twitterer kann man mit einer „Mention“ direkt ansprechen, indem man im Tweet dem jeweiligen Nutzernamen ein @-Zeichen (Beispiel: @netzsche) voranstellt.
Direkte Nachrichten (Directs) werden zwischen Followern mit der Abkürzung d Nutzername zu Beginn eines Tweets ausgetauscht (z.B.: d netzsche).
Jeder veröffentlichte Tweet kann von jedem Nutzer retweetet, also „weiterveröffentlicht“ und damit den eigenen Followern empfohlen werden.
Besonders gute Tweets werden mit einem Stern kenntlich gemacht (Favorites), also ge“favt“.
Auf Listen (lists) kann man Twitterer einordnen, die man damit auch weiteren Nutzern zu einem bestimmten Thema empfiehlt.
Hashtags sind Schlagwörter, die mit einem Rautezeichen (#) gekennzeichnet werden und damit die Einordnung erleichtern.

Für die Beantwortung weiterer Fragen zu Twitter: einfach Twitter nutzen, fragen (mich findet man bei Twitter unter dem Nutzernamen netzsche) oder mit diesem Video einsteigen.

Und zu guter letzt: Twitter ist weit mehr als die Frage zu beantworten, was man gerade tut.

*Sascha Lobo gilt im Web2.0 als einer der meistbeachteten Autoren und Persönlichkeiten.

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