Er hat viele Namen: Oliba (aka Oberlippenbart), Schnauzer, Rotzbremse, Pornobalken oder Mo (aka Moustache). Und in den meisten Fällen ist er nicht gerade ansehnlich, wenn nicht gar verpönt. Dennoch wird dem Bart auf der Oberlippe ein ganzer Monat gewidmet – der sogenannte Movember (zusammengesetzt aus “Moustache” und “November”). In diesem Monat lassen sich Männer auf der ganzen Welt (vor allem in englischsprachigen Gebieten wie UK, Australien, den USA und Kanada) Oberlippenbärte stehen, um damit das Bewusstsein für männliche Gesundheitsangelegenheiten, besonders Hoden- und Prostatakrebs, zu steigern. Der Gedanke dahinter ist, dass man nicht erst zum Arzt gehen sollte, wenn man krank ist, sondern gern auch mal zur Vorsorgeuntersuchung gehen sollte.

MoBro Poster“Movember (The month formerly known as november) is a moustache growing charity event held during november each year that raises funds and awareness for men’s health.” via movember.com

Also sammelt man Geld für eine Organisation seiner Wahl um genau dieses Bewusstsein bei anderen zu schärfen. Der Oliba oder auch Mo im Gesicht eines jeden MoBro (vgl. Moustache Brother) tut seinen PR-Zweck unter Freunden und Bekannten – zumindest sollte er das.

Angestachelt durch einen britischen Kumpel, der auf Facebook seine Teilnahme ankündigte, habe auch ich mich entschieden, mich an der Aktion zu beteiligen. Fix war die eigene MoBro-Site eingerichtet (auf der übrigens noch gespendet werden kann) und pünktlich zum 1. November wurde noch einmal kahl geschoren – wie es die Tradition verlangt. Da ich mir schon denken konnte, dass mein sonst meist kahlgeschorenes Gesicht mit Haar zwischen Nase und Mund nicht immer gut ankommen würde, habe ich mir auch noch ein Shirt zur Aktion versorgt.

Frisch gerüstet konnte der Mo-grow beginnen. Und ähnlich der Bilder auf dem T-Shirt muss man nun Tag für Tag zusehen, wie das Gesicht mehr und mehr zuwuchert. Zwar sollte jeder MoBro seinen Mo entsprechend bürsten und pflegen, doch bei solch spärlichem Bart- und Haarwuchs (wie bei mir) muss man ja quasi um jedes Haar und jeden Millimeter bangen.

Nichts desto trotz sehe ich seit Tagen in den Augen meiner Gegenüber solche Anbahnungen wie: Ekel, Unverständnis, Abwehr und Vorurteile. Nur wenige trauen sich zu fragen, was für “ein Tier sich in mein Gesicht verirrt” hat. (Ich neige zur Übertreibung.)  Auch dann lässt sich die Aktion “Movember” (und die eigene Motivation teilzunehmen) nur schwer in 3 Worten erklären. Ich lasse mir parallel auch gern mal 3-Tage-Flaum rund um Kinn und Wangen stehen, denn ein purer Mo auf nackter Haut sieht schon echt verschärft aus.

Generell ist das Bewusstsein, Verständnis und die Verbreitung der Aktion in meinem lokalen, regionalen und überregionalen Bekanntenkreis äußerst beschränkt. Sobald ich einen nerdy Oliba-Träger in der Gegend sehe, liegt mir die Frage nach der Movember-Beteiligung auf den Lippen – meist sind diese Menschen aber so Movember-fern, dass sich diese Frage erübrigt.

Wie geht es weiter: ich ziehe noch bis Ende November durch und rasiere mich spätestens am frühen 1.12. wieder blank. Und im Nachgang werde ich prüfen, ob eine Beteiligung 2012 wirklich noch in Frage kommt. Wenn ja, dann wird auf jeden Fall nicht erst am 31. Oktober die Teilnahme festgelegt, sondern schon weit vorher nach Unterstützern und weiteren Teilnehmern gesucht.